Fünf Gründe, warum Amazons Kindle den deutschen Buchmarkt entscheidend verändern wird

21. April 2011 § Leave a comment

Summary: This week, Amazon introduced its successful Kindle model to Germany. Previously, customers could only import devices from the U.S. and access a very limited number of German-language titles via an international store. The Kindle’s entry will, in all likelihood, boost e-book sales in Germany, where customer pick-up of the new technology is much slower than in the U.S. or elsewhere, due to market fragmentation.

Es ist so weit: Amazon hat seinen deutschen Kindle Store für E-Books geöffnet und verkauft das Lesegerät seit heute zum ersten Mal direkt in Deutschland. In der Buchbranche war längst klar, dass es nicht mehr lange dauern würde – zu intensiv hatte der Online-Händler nicht nur um Zugang zu den Büchern gefeilscht, sondern auch um Mitarbeiter für Marketing, Kommunikation und Vertrieb geworben.

Die Marktmacht von Amazon ist enorm, der Konzern presst den Verlagen im Print-Buchgeschäft hohe Margen ab. Im E-Book-Bereich saßen die Verlage jetzt an einem etwas längeren Hebel, denn um den Kindle in Deutschland erfolgreich zu machen, musste das Angebot gleich zum Start so groß wie möglich sein. 25.000 mehr oder weniger aktuelle deutschsprachige Titel sind es jetzt, das ist nicht wenig, aber auch nicht wirklich viel. Dazu kommen Tausende kostenlos abrufbare Klassiker.

Die Anfänge sind also eher bescheiden und das Gerät muss seine Käufer erst noch finden. Warum wird der Kindle den deutschen Buchmarkt dennoch entscheidend verändern? Das sind die fünf wichtigsten Gründe:

Standards Die Umsätze mit E-Books in Deutschland sind nicht deshalb so gering, weil die Menschen lieber kiloweise Hardcover mit sich herumschleppen, sondern weil das Angebot zu zersplittert ist. Viele Handelsketten vertreiben eigene Reader, die verfügbaren Inhalte unterscheiden sich, ebenso wie die Technik. Der Kindle wird, wie schon in den USA, Standards setzen und das E-Book bekannter machen.

Kosten Das Gerät ist mit 139 € (nur WiFI) und 189 € (WiFi + 3G) zwar teurer als manch anderer Billigreader, aber deutlich günstiger als ein iPad oder andere Tablet-PCs. Die Netzverbindung (nicht nur) zum Download ist kostenlos. Die Bücher sind billiger als in ihrer Druckversion, wenn auch der Abstand oft gering ist (Amazon hätte gerne höhere E-Book-Discounts durchgesetzt, die Verlage aber wehrten sich erfolgreich).

Verfügbarkeit Anders als beispielsweise die ersten Generationen des im Buchhandel beworbenen Sony Reader ermöglicht der Kindle Buch-Downloads von überall. Kein Buchgeschäft, keine Website, nicht einmal ein App-Store muss besucht werden. Auch die Zahlungsdaten sind schon hinterlegt, denn der Kindle weiß, über welchen Amazon-Account er bestellt wurde und ist mit diesem schon vor dem Auspacken verbunden.

– Gruppenzwang Die Verlage, die sich jetzt noch zieren oder vor dem Aufwand zurückschrecken, auch die Backlist zu digitalisieren, werden einsehen, dass es besser ist, dort zu sein, wo auch der Kunde ist – mit Ausnahme von Spezialsegmenten, in denen die Stückzahlen extrem gering sind. Das Angebot wird also täglich besser werden, und Hunderttausende englischsprachige Bücher stehen dem Kindle-Nutzer ohnehin zur Verfügung (insgesamt sind es 650.000 Bücher).

– Praktikabilität Wer einmal einen Kindle benutzt hat, weiß, dass Lesen auf dem Gerät äußerst angenehm ist und man, anders als bei Tablets oder Smartphones, schnell vergisst, dass ein technisches Gerät in der Hand liegt, nicht ein Buch. Dazu kommt die Speicherkapazität von ca. 3000 Büchern und die Tatsache, dass der Kindle nur zum Umblättern oder für WiFi und 3G Strom benötigt (eine Akkuladung reicht dann für einen Monat Dauerlesen). Wer doch lieber auf einem anderen Gerät liest, hat über die Kindle-App Zugang zum kompletten Angebot.

Es wird noch lange dauern, mindestens einige Jahre, bis E-Books in Deutschland (außerhalb der Fachbuchsparte) eine ähnlich wichtige Rolle spielen wie in den USA. Gerade erst meldete der dortige Branchenverband, dass im Massenmarkt mehr Bücher digital als in jeder anderen Aggregatsform verkauft wurden – im Februar verdreifachte sich der E-Book-Umsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat, während der Absatz der Druckausgaben um ein Viertel zurückging. Eines aber steht fest: Nennenswertes prozentuales Wachstum werden die deutschen Verlage in nächster Zeit nur im digitalen Bereich erzielen.

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